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Mauer, Deutsche Einheit und persönliche Erlebnisse

hallorenkugeln-sahne-cacaoFür mich war die DDR immer soweit weg wie der Mond. Dass wir mal im Fußball gegen die verloren haben und die bei Olympia immer besser waren, hat mich Wessie zwar geärgert, aber nicht wirklich gestört. Immerhin konnte ich schon mit 18 Jahren mit Freunden nach Südfrankreich düsen. Das die Gleichaltrigen in der DDR das vielleicht auch ganz gerne gemacht hätten, war mir gar nicht bewusst. Und Halloren-Kugeln, Nudossi, Spreewaldgurken oder Radeberger sagten mir gar nix.

Ich muss auch zugeben: Der Mauerfall hat mich zwar berührt, aber ich bin nicht heulend durch unser Städtchen gelaufen. Und ich weiß auch nicht mehr, was ich am 9. November 1989 getan habe.

Dafür erinnere ich mich bestens an meine ersten Erlebnisse mit und in den neuen Ländern. Toll das erste Mal in Ostberlin: Mitte 1990 muss das gewesen sein. Es hatte sich ein ostdeutscher Spirituosenverband gegründet und ich besuchte den damaligen Vorsitzenden „tief“ im Osten Berlins. Das Schönste daran: Das ganze Marketinggehabe der Westmanager fehlte, klare Worte und – ganz ehrlich – menschliche Wärme.

Ein paar Monate später, Grüne Woche in Berlin, die Lebensmittel Praxis hatte schon einen Korrespondenten in Ostberlin und wir übernachteten ganz unkompliziert bei dem Kollegen zuhause. Direkt am Alexanderplatz, der damals nachts noch stockdunkel war. Unvergesslich: Draussen minus zehn Grad und wir sitzen im Unterhemd am offenem Fenster in des Kollegen Wohnung und schwitzen. Das lag nicht an den paar Bierchen, die wir getrunken haben, sondern an der Fernwärme, die nicht runterzudrehen war. Ein unvergessliches Erlebnis, weil ich als Wessie meinen Ostkollegen fast die ganz Nacht mit Fragen löcherte und so – endlich – ein bissl mehr über das Leben im Osten Deutschlands erfuhr. Auch hier von Anfang an viel menschliche Wärme.

Ich fürchte, dass viel davon in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Und so ist wohl auch zu erklären, dass während in Berlin die Einheit pompös gefeiert wird, in den westdeutschen Städten der 9. November fast unbemerkt abläuft. Und man hat hier im Westen nicht den Eindruck, dass die nun seit 20 Jahren währende deutsche Einheit noch besonderer Erwähnung  bedarf. Schade eigentlich.

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