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Zu Recht: Das Aus für die Ampel-Kennzeichnung

Hamburger mit Pommes frites

Hamburger mit Pommes frites

Das Aus für die sogenannte Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln hat die Koalition aus CDU/CSU und FDP so fix beschlossen, dass es in der Fülle der Verheißungen der neuen Bundesregierung beinahe untergegangen ist. Die Koalitionäre sehen wohl auch ein Problem darin, dass hier – wie beim Einwegpfand – Deutschland noch eine Insellösung forcieren würde. Zwar hat Großbritannien ein Ampelsystem, aber die EU-Kommission lehnt es ab. Bei der Ampelkennzeichnung wird mit den Farben rot, gelb und grün signalisiert, ob der Gehalt an Fett, Zucker, Salz und anderen Inhaltsstoffen hoch, mittel oder gering ist. Die EU-Kommission will derzeit aber nur eine Nährwertinformation in Tabellenform, nicht in Ampelfarben zulassen.

Die Diskussion wird aber bleiben. Echte und vermeintliche Verbraucherschutzorganisationen scheuen kein Mittel, um weiter für die Ampel zu trommeln. Der Verbraucher wolle das System, er würde dann endlich „vernünftiger“ kaufen und die Hersteller würden dann schon alle mit weniger Fett, Zucker und so weiter produzieren. Eine schöne Vorstellung, aber auch unsinnig und nicht belegt.

Die in Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten durchgeführte EUFIC-Studie zum Ernährungswissen der Verbraucher (17.000 Befragte) hat zum Beispiel ergeben, dass drei von vier Befragten die rote Ampel als Warnung vor dem Genuss des Produkts ansehen. Heiß doch übersetzt: Die kaufen ein so gekennzeichnetes Produkt nicht mehr. Ist das gewollt?

Es könnte eingewendet werden, dass auch rot gekennzeichnete Nährstoffe zu einer ausgewogenen Ernährung dazugehören können. Käsebrot, Früchtemüsli, Matjesfi lets, Bananen oder Olivenöl werden nicht mehr gegessen, weil sie wegen hohen Fett- und Zuckergehalt rot gekennzeichnet sein müssten. Andererseits: Wer glaubt denn, dass die, die es auch nötig haben, künftig ihr Menü zusammenrechnen, um im „grünen“ Bereich zu bleiben? Das ist genauso naiv wie es herablassend ist, die Verbraucher für so dumm zu halten, eine Angabe wie „deckt den Tagesbedarf zu x Prozent“ nicht zu verstehen.

Eine vernünftige Kennzeichnung der Inhaltstoffe eines Produktes mit dem Hinweis, wie viel eine Portion zur maximalen Tagesration beiträgt, klärt besser auf. Dass die Ampel vom Tisch ist, ist gut. Bleibt nur zu hoffen, dass das Aus der Ampel nicht ebenso wieder auf der Tagesordnung landet wie die schon beschlossenen Steuererleichterungen wieder in Frage gestellt werden.

3 Comments

  1. Was die Koalition da “so fix” beschlossen hat, ist keinesfalls das Aus für die Nährwert-Ampel. Das kann eine Bundesregierung gar nicht beschließen, das Gesetz wird in Europa gemacht. Dort wird (frühestens) im Mai 2010 entschieden und hier hat die Bundesregierung nur eine von 27 Stimmen im Rat. Bleibt abzuwarten, wie sich die anderen 26 Regierungen positionieren und wie die Mehrheit im Europäischen Parlament ausfällt. Fazit: Der schwarz-gelbe Beschluss besiegelt gar nichts. Das Rennen um die Ampel ist so offen, wie es vor dem Koalitionsvertrag war.

    Zu welchem Ergebnis die sog. “EUFIC”-Studie kommt, ist zudem wenig überaschend: Man sollte schon dazu sagen, wer hinter EUFIC steckt. Die großen Konzerne der Lebensmittelindustrie nämlich, das Who is who der Ampel-Gegner. Es gibt bislang genau eine umfassende unabhängige Studie, die die Verständlichkeit verschiedener praxiserprobter Nährwertkennzeichnungsmodelle untersucht hat: die der staatlichen britischen Lebensmittelbehörde FSA. Ergebnis der Studie: Am besten werden Nährwertangaben verstanden, wenn sie Ampelfarben und erklärenden Text (”hoch”, “mittel”, “wenig”) enthalten. Das wollen Verbraucher und Organisationen wie foodwatch oder die Gesetzliche Krankenversicherung: Verständliche Angaben, die den Kunden im Supermarkt zumindest die Möglichkeit geben, sich bewusst für Lebensmittel mit viel oder wenig Zucker, Salz oder Fett zu entscheiden.

    Martin Rücker, foodwatch e.v.

  2. [...] lange das wohl noch dauert, bis auch die brüsseler und auch die deutsche Bürokratie (die auch bisherige Kennzeichnungen lieber verwerfen will) sich zu dieser sinnvollen Maßnahme [...]

  3. [...] geplante Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ist gerade zu Recht abserviert worden. Nun machen die Schweden vor, wie eine sinnvolle Kennzeichnung noch aussehen könnte: die [...]

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