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Muss Wasser biologisch sein?

wasserIch habe wirklich immer gedacht, Wasser ist reine Biologie. Schon als Kind, wenn ich am Jakobsbörnchen stand, einer Quelle in den Langenbergen bei Kassel, und das Wasser direkt aus der Quelle trank, war ich bewegt. Wasser kommt tief aus der Erde, ist rein, unverfälscht, pure Natur.

Dass das nicht so hundertprozentig stimmt, ging mir irgendwann auch auf. Trotzdem: Wasser ist etwas Ursprüngliches und wenn es verunreinigt, verfälscht oder gepanscht wird, ist das Menschenwerk. Und die gesetzlichen Regelungen, wie Trinkwasser- oder Mineralwasser-Verordnung, sollten eigentlich dazu dienen, dass Wasser – ob aus dem Hahn oder aus der Mineralquelle – ein reines und ursprüngliches Getränk ist und bleibt.

Doch gefehlt: Jetzt kommt das Bio-Mineralwasser. Denn in teutonischer Gründlichkeit wurde bereits im November 2008 die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser (QG) in Nürnberg gegründet, die gemeinsam mit der Nürnberger BCS Ökogarantie GmbH als Zertifizierer im Mai 2009 das wahrscheinlich schon lange erwartete erste Bio-Mineralwasser-Qualitätssiegel in die Welt setzte.

Der Sinn einer Zertifizierung mit dem Bio-Siegel soll in sehr strengen Kriterien liegen. Denn, so die Initiatoren, in den gesetzlichen Vorschriften würden häufig konkrete Vorschriften fehlen bzw. viele Grenzwerte seien an den Vorgaben für Leitungswasser ausgerichtet. Vorgaben für Verpackungen und ihre Umweltfreundlichkeit, zum Mindestalter des Wassers, zur laufenden Produktprüfung sowie zu gesundheitlichen Eigenschaften von Mineralwasser würden fehlen. Auch ökologisches und soziales Engagement für Umweltschutz, Klimagasreduktion, Ausbildungsplätze oder die Förderung des Wasserschutzes würden nicht gewürdigt.

Ich dachte immer in der Mineralwasser-Verordnung sei das gut geregelt: Denn da steht, dass Mineralwasser seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen(!) hat, dass es von ursprünglicher Reinheit ist. Das Ganze wird geprüft und wenn die Anforderungen in geologischer, hydrologischer, physikalischer, physikalisch-chemischer und chemischer, mikrobiologischer und hygienischer sowie bezüglich der gelösten Mineralstoffe und des freien Kohlendioxids nicht erfüllt sind, ist das Wasser kein Mineralwasser.

Was ist daran auszusetzen? Mir hat das immer gereicht. Andererseits ist es legitim, wenn Konsumenten mehr wollen als das gesetzlich geregelte. Aber mir scheint hier auch ein Geschäftsmodell zu entstehen, wo willkürlich strenge Grenzwerte oder schwer zu fassende Kriterien (soziales Engagement?) einen Mehrwert nur suggerieren und “normal gute” Produkte diskriminieren.

2 Comments

  1. Manfred Mödinger sagt:

    Sehr geehrter Herr Mihr,

    Es ist legitim und auch notwendig stets nach Verbesserung zu streben. Das Bessere muss dabei das Gute nicht diskriminieren. Leider bestehen bezüglich Trinkwasser (angeblich bestkontrolliertes Lebensmittel) oder Mineralwasser viele Fiktionen als Vorstellungen die mit den Realitäten immer weniger zu tun haben.

    Was heißt schon “vor Verunreinigungen geschützt”? Das gibt es in unserer realen Welt praktisch nicht mehr. Ja es ist leider so, die allgemeine Umweltverschmutzung kommt immer stärker in unseren Wasserquellen an. Der (europäische) Gesetzgeber hat seine Grenzwerte nicht nach Wunschvorstellungen oder Meinungen zu wohlklingenden Begriffen ausgerichtet, sondern allein nach der Aufgabe die Bürger vor toxikologischen Gefährdungen zu schützen.

    Ein schönes Beispiel sind die Grenzwerte für Nitrat, die vor wenigen Jahren für Mineralwasser auf 50 mg/l angehoben wurden, denselben Wert wie er für Trinkwasser gilt. Leitungswasser das angeblich für Babynahrung geeignet sein soll und auch vielfältig dafür verwendet wird, enthält häufig zweistellige Werte, wo doch hier bei Flaschenwasser ein Grenzwert von 10 mg/l gilt. All das hat mit einer in Deutschland oft falsch verstandenen ursprünglichen Reinheit nichts zu tun, denn solche hohen Nitratwerte stammen praktisch immer aus Umweltverschmutzung.

    Die teutonische Gründlichkeit der Gründung der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V. war leider aus juristischen Gründen unerläßlich. Es gibt obergerichtliche Urteile zum Verständnis von “BIO” auch bei Mineralwasser.

    Hat die Welt darauf gewartet? Ein kleines bißchen schon, denn schon Anfang der 90er Jahre gab es eine Diskussion, was ein Mineralwasser das im Bioladen verkauft wird Besonderes haben sollte. Und “organic mineral water” gibt es schon (ohne Kriterien) in Neuseeland und Saudi-Arabien. Aber solche Irreführungen läßt die deutsche Justiz nicht zu.

    Biomineralwasser ist kein neues Geschäftsmodell sondern ein Orientierungsmodell, das den an Wasserqualität interessierten Menschen den Weg zu sicherer und ganzheitlicher Topqualität weisen soll. Nebenbei schadet es nicht, wenn damit ein wenig Druck zu mehr Nachhaltigkeit und mehr Qualitätsbewußtsein ausgeübt wird. (Näheres siehe http://www.bio-mineralwasser.de)

    Mit besten Grüßen
    Manfred Mödinger, Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V.

  2. Christina Steinheuer sagt:

    Sehr geehrter Herr Mödinger,

    ich bezweifele nicht, dass es für Bio-(Mineral)Wässer Abnehmer gibt, Hardcore-Ökos werden sicher zugreifen, einige Lohas vielleicht auch. Dass die Nachfrage für dauerhaftes bzw. stetiges Wachstum groß genug sein wird, wird man sehen, ich glaube es eher nicht. Das 3-Liter-Auto gibt es ja auch schon einige Zeit, aber kaum einer will es kaufen bzw. fahren. Warum? Weil es einen Unterschied gibt zwischen dem, was Menschen sagen (und in Umfragen angeblich bereit sind, zu tun) und dem, was sie tatsächlich tun. Ein reines (Öko-) Gewissen haben alle gerne, aber wenn man konkret selbst für etwas tiefer in die Tasche greifen muss, wird vieles gerne auf demnächst oder das nächste Mal verschoben. Das geht dann unter Umständen bis zum Sanktnimmerleinstag so. Wir wären ja alle gerne bessere Menschen, aber wir sind nun mal so wie wir sind, nicht perfekt (Punkt 1). Punkt 2: Bio ist nicht immer besser. Vor ca. zehn Jahren habe ich noch als Student ein paar Jahre lang bewusst nur Bio-Eier gekauft (in dem offenkundig naiven Glauben, den Hühnern, deren Haltern und der Umwelt ginge es besser als den armen Tieren in den viel zu kleinen Legebatterien), bis zu dem Tag als ich vor Ort auf einer Hühnerfarm war und gesehen habe, wie Bio-Hühner lebten (zerrupfte Federkleider, Klopperei unter den Tieren, Stress, alles, was auf dem Boden lag, konnte gepickt werden und wurde es auch). Seither kaufe ich keine Bio-Eier mehr. Sicher kann und sollte man nie verallgemeinern. Das will ich auch gar nicht. Ich finde es gut, wenn man als Verbraucher die Wahl zwischen diversen Produkten hat. Dass die Welt, wie Sie oben schreiben, ein bisschen auf Bio-Wasser gewartet habe, bezweifele ich. Das mag auch daran liegen, der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, dass ich in einer Gegend aufgewachsen bin, in der es viele Mineralbrunnen gibt. Mag sein, mein Geschmack ist bereits auf Gerolsteiner, Tönnissteiner, Sinziger, Brohler und Co. Getrimmt, wer weiß, vielleicht bin ich schon konditioniert. Ich glaube nicht, dass ich Bio-Wasser kaufen werde, aber vielleicht überzeugen Sie mich ja noch :-)

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